Ich wische nach links, ich wische wieder nach links, nicht mein Typ, zu klein, zu langweilig, der nächste Wisch nach links, oh der sieht nett aus, ich wische nach rechts. Ein Match! Mist, ich bin schlecht im Nachrichten schreiben. Ich warte bis mein Match sich meldet. Leider ist die Männerwelt auch nicht besonders kreativ, wenn es um die erste Nachricht geht. Mehr als ein „Hi, wie geht’s?“ oder „Schöne Bilder und hübsches Lächeln“ bekommen die meisten auch nicht zustande. Egal, ich war ja auch nicht besser. Nach einigen Nachrichten hin und her flacht das Interesse schnell ab. „Ping“ – oh ein neues Match – und alles beginnt wieder von vorne.


Nachdem ich jahrelang in Beziehungen „steckte“ und ich seit diesem Jahr Single bin, wollte ich dieses „Tinder“-Ding, von dem alle sprechen, ausprobieren. Eigentlich fand ich das total albern und ich bin überhaupt kein Fan von Dating Apps, nichtsdestotrotz neugierig wie ich bin, habe ich mir natürlich die App heruntergeladen und mein Profil ausgefüllt. Einer der ersten Fragen, die mir häufig nach einem Match gestellt wurde, war warum ich denn bei Tinder sei. Die meisten fanden meine Antwort „einfach so“ oder „aus Neugier“ nicht besonders zufriedenstellend, weswegen wohl einige nach den ersten paar Nachrichten direkt das Interesse verloren.

„Zu viele Matches langweilen & das viele Schreiben nervt“

Genauso häufig war ich aber auch diejenige, die irgendwann nicht mehr zurück geschrieben hat. Gründe waren vielfältig, entweder kristallisierte sich heraus, dass das Match unfassbar langweilig ist, ich nach dem 100. Mal keine Lust mehr hatte den gleichen Mist über mich in mein Handy zu tippen oder ich schlichtweg zu faul war, um zurück zu schreiben. Das Match war sowieso nur einer von vielen und das nächste Match kommt bestimmt. So nutzte ich Tinder mal mehr mal weniger häufig, immer wenn ich nichts zu tun hatte ging das Wischen los.

Welche Art von Kerlen mir auf Tinder dabei am häufigsten begegnet sind möchte ich euch nicht vorenthalten:

 

1) Der Lehrer

Lustigerweise hatte ich die meisten Matches (mit denen ich auch tatsächlich geschrieben habe) mit Lehrern, ehemaligen Lehramtsstudenten oder angehenden Lehrern. Ich weiß nicht, ob diese Berufsgruppe es in der Offline Frauenwelt besonders schwer hat, die meisten zu schüchtern sind und sich daher für Tinder entscheiden oder ob es in meinem eingestellten Umkreis einfach zu viele Lehrer gibt.

 

2) Der Sonnenbrillen / Katzen- / Hunde- / Baby-Träger

Ich werde nie verstehen, warum man bei einer Dating-App (ja Tinder ist oberflächlich und ja das Aussehen ist nun mal das was man zuerst sieht!) Fotos hochlädt, auf denen man nicht oder nur wenig zu erkennen ist. Besonders auffallend ist, dass Männer hierzu gerne Sonnenbrillen nutzen, um ihr wahres Gesicht zu verschleiern! Auch Katzen / Hunde / Babies werden oft „geknuddelt“ und vors Gesicht gehalten, damit man möglichst wenig vom potenziellen Date sehen kann. Klickt man auf das Profil und schaut sich die restlichen Bilder an, weiß man meist auch warum die Kerle das machen… Denn die restlichen Bilder sind nicht gerade sympthatisch, da auf diesen keinerlei Natürlichkeit ausgestrahlt wird und meist nicht mal ein Lächeln über die Lippen kommt.

 

3) Der Sprüche-Kopierer

Jeder der Tinder nutzt wird diese beiden Sprüche wohl am häufigsten in diversen Profilen gelesen haben: „Match me if you can“ oder „Wenn ich zuerst schreiben soll, musst du mir das sagen“. Denken die, dass sie besonders lustig, kreativ & einzigartig sind? Sorry Boys, aber bei solchen Sprüchen ist euch ein Wisch nach links garantiert.

 

4) Der Verzweifelte

Ich hatte nicht zuletzt viele Matches mit Kerlen, die wirklich sehr verzweifelt auf der Suche nach der Partnerin fürs Leben waren. Einer hatte aber tatsächlich den Vogel abgeschossen. Ich kam mir bei unserem ersten Treffen vor, wie bei einem Vorstellungsgespräch: Fragen wie „Willst du Kinder?“, „Wie sieht dein Lebenskonzept aus“ und „Willst du mal heiraten“ fand ich dann beim ersten Treffen doch mehr als strange – zumal der komplette Abend aus dieser Art von Fragen bestand. Und er am Ende selbst zugegeben hat, dass er schon viele dieser Treffen hatte, um die richtige Frau zu finden! Nach der Aussage: „Ich habe jetzt einen neuen Job, eine neue Wohnung und jetzt fehlt nur noch die richtige Frau“ habe ich aber dann schnell das Weite gesucht.

 

5) Der Spiegel-Selfie-Mann

Spiegel-Selfies kennt jeder, hat jeder auch schon gemacht und grundsätzlich finde ich das auch nicht schlimm. Vor allem wenn man niemanden hat, der einen fotografieren kann. Aber warum um alles in der Welt machen 8 von 10 Männern, dabei den Daumen nach oben? Soll mir das als Frau sagen: „Hey ich bin ein top Typ, wische nach rechts“ oder „Ah, ich hab den Auslöser meiner Kamera gefunden“ oder „Gib mir ein Like, ich bin so toll“. Getoppt wird das ganze, wenn sich die Herren der Schöpfung im Fitnessstudio fotografieren und dabei ihren Bizeps hochhalten – Ähm ja, no more words needed…

 

Das Experiment Tinder – Mein Fazit

Diese drei Monate Tinder waren spaßig, interessant und sehr unterhaltsam! Aber auch anstrengend, nervig und super zeitaufwändig. Genau wie Casual Games auf dem Smartphone ist Tinder sehr kurzweilig und für einen Zwischendurch Flirt und andere Dinge bestens geeignet. Auch für den kurzfristigen Selbstbewusstseins-Boost ist die Dating-App ein wunderbares Instrument!

„Offline schlägt Online“

Wer aber Liebe oder Freunde fürs Leben sucht,  ist meiner Meinung nach in der Offline-Welt besser aufgehoben. Denn hier nimmt man sich noch Zeit, um sich besser kennenzulernen und gibt nicht direkt nach den ersten Nachrichten oder einem ersten Treffen auf. Außerdem kann über ein Foto niemals die Ausstrahlung einer Person so erfasst werden, wie man sie im „realen“ Leben wahrnimmt. Die ersten Sekunden, die über Sympathie und Antiphatie entscheiden, fehlen einfach wenn man sich nur Fotos ansieht! Die große Enttäuschung kommt dann meist beim ersten Treffen. Mit einigen stehe ich jedoch noch lose in Kontakt. Mal sehen, ob sich daraus Freundschaften entwickeln (oder andere Dinge?) oder ob sich auch das im Sande verläuft.

„Man stumpft sehr schnell ab“

Was ich aber auch über mich selbst gelernt habe, dass man sehr schnell abgestumpft und abgeklärt wird. Auch habe ich mich im Laufe der Zeit immer schneller und häufiger gelangweilt. Habe ich mich am Anfang fast jedem Match noch eine Nachricht geschrieben und mich sogar entschuldigt, wenn ich nicht direkt geantwortet habe, wars mir zum Ende egal und ich schreibte nur noch 1 von 10 Matches überhaupt (zurück).

„Benching zeugt von sozialer Inkompetenz“ 

Jedoch muss ich zugeben, dass das ein oder andere Date zunächst vielversprechend war, der Kerl sich aber aus unbekannten Gründen nicht mehr meldete. Auch auf Nachfrage war angeblich alles gut und dass man sich sympathisch findet und man sich nochmal sehen möchte. Klassische Fälle von Benching & Ghosting. Oder sicherlich auch Faulheit, sich um die soziale Interaktion zu kümmern. Dabei muss ich mir selbst an die eigene Nase packen. Dennoch habe ich immer frei heraus gesagt, wenn kein Interesse mehr besteht, vor allem dann wenn ich gefragt wurde. Letztendlich ist man niemandem eine Rechenschaft schuldig, dennoch halte ich Menschen für sozial sehr inkompetent, die es nicht zustande bringen auf Fragen ehrlich zu antworten und / oder sagen können, dass kein weiteres Interesse besteht.

 

Was Benching und Ghosting ist, kann weiter unten unter den weiterführenden Links nachgelesen werden!

 

Tipps für unterhaltsames Tindern

  1. Schwäbischer Akzent kommt sehr gut bei der Männerwelt an
    Alle Männer, die ich bisher kennengelernt habe, fanden meinen schwäbischen Akzent sehr sympathisch und authentisch! Also los gehts mit Dialekten! (Die Ausnahme bildeten dabei nur der bayrische und sächsische Dialekt, diese wurden einstimmig als nervig abgestempelt)
  2. Sprachnachrichten sind viel persönlicher
    Sofern ihr bereits Handynummern ausgetauscht habt, probiert es mit Sprachnachrichten! 1. ist es nicht so nervig zu tippen 2. der Klang einer Stimme und die Ausdrucksweise sagt schon viel über einen Menschen aus und 3. es ist viel persönlicher! Alle Treffen, die ich hatte, gingen Sprachnachrichten voraus! Mit denjenigen mi denen ich nur geschrieben hatte, kam nie ein Treffen zustande. Bis auf eins, aber das war auch sehr spontan.
  3. Facebook ist ein No-Go
    Macht nicht den Fehler wie ich und fügt direkt eure Tinder Dates bei Facebook hinzu. Sollte es nichts werden , ist es irgendwie ganz schön blöd, wenn man sich dann direkt wieder löscht…
  4. Mein Pluspunkt der S04
    Dass ich beim FC Schalke 04 arbeite, war in vielerlei Hinsicht ein großer Pluspunkt. War der Kerl selbst S04 Fan, prima ich hatte direkt Sympathiepunkt eingestrichen ohne auch nur ein Wort zu schreiben oder zu sagen! War er Fan von einem anderen Verein, hatte man direkt ein Gesprächsthema und konnte fachsimpeln. Ja, sogar mit einem Dortmund Fan hatte ich ein Date 😉

 

Habt ihr ähnlich Erfahrungen gemacht oder habt ihr über Tinder, Lovoo & Co eure große Liebe getroffen?


Weiterführende Links

Benching Ich bin dann mal eine Option

Ghosting Ich bin nicht gut genug! – „Ghosting“ und „Benching“ sind doch nur eine Flucht vor mangelndem Selbstwertgefühl

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